WORT AN DIE GEMEINDE

Verkehrte Welt, liebe Gemeinde.
Im vergangenen Sommer hatten meine Frau und ich die Gelegenheit, ein Museum der 3. Dimension zu besuchen. Wer jetzt rätselt, was es damit wohl Merkwürdiges auf sich hat, sei beruhigt. In diesem Museum ging es rund um das Sehen und die Frage: Kannst du deinen Augen wirklich trauen?
Schon seit dem Mittelalter haben sich die Menschen mit dem räumlichen Sehen beschäftigt. In diesem Museum nun waren ganz unterschiedliche Arten von optischen Phänomenen und Täuschungen zusammengetragen.
Es waren Beispiele der Stereofotografie in den sogenannten 3D-Guckkästen aus der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert zu sehen. Neben Fotografien, die mit Hilfe einer 3D-Brille als räumliche Objekte erscheinen, hingen Bilder, die so gerechnet und gemalt sind, dass beim Betrachten das menschliche Gehirn ein dreidimensionales Bild konstruiert, ganz ohne Hilfsmittel. Die Postkarten aus den 60er Jahren, die sog. Wackelbilder, die bei wechselndem Betrachtungswinkel das Motiv verändern, durften auch nicht fehlen. Eine ganze Abteilung war der optischen Illusion gewidmet. Da drehten sich Darstellungen, die durch die Drehung den Betrachter Bilder, Effekte und Farben sehen lassen. Beeindruckend waren auch, meist auf Röhren gemalte, verzerrte Zeichnungen oder Formen, die nicht zu erkennen sind. Erst wenn sie durch einen Spiegel entzerrt werden, sind sie erkennbar. Ein Raum zeigte auch Vexierbilder. Bei diesen Bildern sind zwei Motive ineinander gemalt, die es zu erkennen gilt. Wenn ich sie denn beide erkenne und mich nicht auf das zuerst erkannte festlege, weil es mir so klar und eindeutig ins Auge fällt.
Verkehrte Welt. Das, was klar und eindeutig gesehen wurde, erscheint in einem anderen Blick. Ansichten und Sichtweisen, die immer schon so waren, werden plötzlich verschoben. Für unvorstellbar Gehaltenes ist plötzlich Realität. Und das nicht nur bei einem Besuch im Museum der 3. Dimension. Dass die Welt verkehrt erscheint, zieht sich durch die Geschichte der Welt. Wohl jeder Mensch kommt in seinem Leben mit diesem Gedanken in Berührung.
Wir gehen auf Ostern zu. Auch die Jünger Jesu standen in dem Erleben einer verkehrten Welt.
Ihr Meister und Freund, mit dem sie so viel verband, in den sie so große Hoffnungen und Erwartungen setzten. Er, der von der Menge noch laut jubelnd als Messias, als Heiland und Erlöser begrüßt wurde. Er ging nach Jerusalem, um am Kreuz zu sterben. Verkehrte Welt, der Retter lässt sich fangen, verurteilen, hinrichten. Unfassbar, unverständlich für die Seinen.
Und am dritten Tag. Schon wieder verkehrte Welt. Ein Toter steht auf. Das Grab ist leer. Unvorstellbares ist plötzlich Realität. Der Tod ist besiegt, der mächtige Tod ist machtlos.
Seit damals können wir wissen: So groß sich der Tod in der Welt auch zeigt und jedes Leben zu sich nimmt, das letzte Wort hat er nicht mehr. Jesus hat uns Menschen die Tür geöffnet, durch die wir eintreten können in eine Welt, von der ich glaube, dass es da kein Verkehrt mehr gibt.
Eine gesegnete Osterzeit wünscht Ihnen
Ihr Pfarrer Michael Ramsch
 

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