Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer
Sacharja 9,9

WORT AN DIE GEMEINDE

Liebe Gemeinde,
Es ist Advent: Zeit für besinnliche Stunden: Gemütliches Feiern in der Schule, im Betrieb oder Verein; Plätzchen backen und Nüsse knacken?
Oder vielmehr für viele: Advent: Hektische Zeit der Vorbereitungen, Geschenkekauf und Hausputz; dazu noch die vielen Klassenarbeiten und Hochsaison bei der Arbeit?
Wie auch immer: Advent: Eine Zeit voll Spannung und Erwartung. Zum Ende des Jahres soll alles gut werden. Oder was erwarten wir?
Advent: Vorbereitung auf Weihnachten. Wir warten auf das Kommen von Jesus, auf das „Christkind“. Eigentlich wissen das alle, und doch bleibt es eigenartig blass. Worauf warten wir denn, wenn wir sagen: Wir warten auf das Kommen von Jesus?
Selbst ein Blick auf die Adventslieder im Gesangbuch zeigt: Es ist gar nicht so eindeutig, was mit dem Kommen von Jesus gemeint ist. Sie haben drei Richtungen: die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft.
1. Das Warten richtet sich zum einen in die Vergangenheit. Wir erinnern uns an das Kommen Jesu vor 2000 Jahren. Im Stall von Bethlehem ist das Wunder geschehen, dass Gott in seiner Liebe Mensch geworden ist. Was wir Weihnachten feiern, bereiten wir im Advent vor.
2. Die Geburt vor 2000 Jahren wäre ein wertloses Datum der Geschichte, wenn sie nicht für unsere Gegenwart Bedeutung hätte. So erwarten wir das Kommen Jesu in unser Leben: Dass er uns mit seiner Liebe berührt, dass wir verwandelt werden von der Menschenfreundlichkeit Gottes.
„Wird Christus tausendmal in Betlehem geboren und nicht in dir, du bleibst noch ewiglich verloren“, schreibt Angelus Silesius. Im Advent warten wir darauf, dass Jesus auch zu uns kommt.
Und 3. Die Erwartung richtet sich schließlich auch in die Zukunft. Gemeinsam erwarten wir den Retter am Ende der Zeiten. Als Christen glauben wir, dass es Jesus sein wird, der schon gekommen ist und der auch jetzt im Geist bei uns ist. Advent heißt dann auch, dass wir uns vorbereiten auf das Heil, das Gott uns einmal schenken wird.
Gerade mit dem letzten Aspekt, der Hoffnung auf die Zukunft, weist die Adventszeit weit über Weihnachten hinaus. Advent ist mehr als die Vorbereitung auf Weihnachten, Advent wird zu einer Lebenshaltung: Leben im Advent, das heißt: Leben in der Erwartung - in der Erwartung auf eine neue Welt, in der uns das Dunkel nicht mehr bedrücken wird.
Vielleicht ist es ja das, was unserer Zeit am meisten fehlt: Das Leben voll Erwartung auf ein besseres, ein Leben voll Sehnsucht nach dem Heil Gottes. Vielleicht stürzen wir uns ja in die Hektik oder das Feiern, weil uns das Warten und Erwarten abhandengekommen ist. Wer hoffen kann, der kennt den Schmerz über das Dunkel der Gegenwart, aber weiß auch darum, wie die Sehnsucht das Herz weit machen kann.
Ich wünsche mir im Advent die Zeit, eine Kerze anzuzünden und zu sehen, wie das Licht dieser einen Kerze die Dunkelheit vertreibt – die Dunkelheit, die uns noch umgibt, und das Licht, das schon leuchtet.
Pfarrerin Maria Ramsch 

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